Ffm. 5. Okt. 41
Meine geliebten Kinder!
Abwechslungsweise befinde ich mal
wieder in einer Episode das Wartens. Ich warte
so sehr auf die von die meine liebe Paula vor
sprochenen Zeilen, die mir von
Euerer neuen Stellung ausführlich berichten sollen.
Ich warte auf Eueren längst fälligen Brief
meine l. Freimark s & nicht weniger warte
ich auf die, mir von Euch in so lieber Weise
zugesagte monatliche Zuwendung. Ich glaubte schon
Ende vorigen Monat s damit rechnen zu dürfen,
da es gerade vier Wochen waren, da in
die Deutsche Bank Berlin den Eingang
ersten Überweisung anzeigte. Trotz deiner 99% Sicherheit(?)
l. Albert in der Kubafrage, wartete ich doch all
die Tage her, wenn auch ganz zaghaft, auf ein
Telegramm von Euch. Es erhielten nämlich eine
ganze Menge Leute von unseren näheren Be-
kannten, von ihren Kindern bezw. Geschwistern
die Telegr Nachricht, daß sie die Einreise nach
Kuba für sie erwirkt hätten, oder noch in Be
arbeitung sei. Es entzieht sich allerdings meiner
Kenntnis, wie hoch das Depot ist, das sie stellen müssen.
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keinesfalls glaube ich aber, daß sie 1800 – 2500 $
dazu haben, denn es seid Leute dabei, die kaum
4 Monate drüben sind & auf sich selbst gestellt.
Ich lasse Euch untenstehend einige Adressen folgen,
bei welchen Ihr Näheres erfahren könnt. Ich
befürchte nur das eine, bis wir uns wieder
besonnen haben, hat Kuba seine Tore wieder
gesperrt, denn wo ich hinhöre, hat man schon,
wie ich bereits bemerkt, seine Einreise, oder
sie wird bearbeitet. Ich weiß meine Lieben ich mache
Euch viel Sorgen & Scherereien, es tut mir in die
Seele hinein leid, aber ich kann es nicht ändern. Ich
habe nun mal kein Glück mit meiner Reise zu
Euch & und das macht mich oft so mutlos. Bis ich nun
Eueren Brief meine l. Timer s habe, mache ich mir
soviel Sorgen um Euere Existenz. Ich wußte Euch
in New Rochelle so geborgen. Kam es Euch auch
plötzlich, oder wußtet Ihr schon länger davon.
Gesundheitlich geht es mir ganz erträglich, auch Euch
meine lieben Vier, hoffe ich munter & wohlauf.
Max sagte mir, daß er Euch in der Auswanderungssache
separat einen Brief geschrieben, aber seid ihn bitte nicht
böse darüber, er meint es bestimmt gut, wie er auch
immer lieb & gut zu mir ist. Hoffentlich höre ich bald Gutes
von Euch, ich grüße & küsse Euch in Liebe Euer Mutterle.
Moritz Stein
558 W 189 Str.
N. Y. City
Ffm. 5. Oct. 41
My beloved children,
For a change, I find myself again in an episode of waiting. I am very much awaiting your promised lines, my dear Paula, that is supposed to inform me, in detail, about your new position. I am awaiting your long overdue letter, my dear Freimarks and no less am I awaiting the monthly subsidy that you so lovingly promised to me. I thought I could count on it for the end of last month, since it was just four weeks since the first transfer to the Deutsche Bank Berlin was received. Despite your 99% certainty with respect to the Cuba question, dear Albert, I am waiting here all these days, quite anxiously, for a telegram from you. A lot of people from among our closer acquaintances have received from their children or their siblings a telegram with the message that they have arranged entry for them into Cuba or that it is still in process. I have no knowledge of how high a deposit must be made,
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in no case, do I believe that they have $1800 to $2500 for that, since there are people among them that have hardly been there 4 months on their own. I am placing several addresses below where you can learn more details. I am only afraid that until we have again considered this, Cuba will again have locked its gates, for as I already noted, entries have occurred or are being processed. I know, my dear ones, that I create many worries and troubles for you, it distresses me deeply, but I can’t change that. I have no luck with my trip to you and that often makes me so despondent. Until I have your letter my dear Timers I create so many worries for myself about your life. I knew you were secure in New Rochelle. Did it occur suddenly or had you known for longer. Health wise things are quite tolerable, also I hope, you my dear four are happy and well. Max told me that he wrote you a separate letter about the emigration matter, but please don’t be mad with him about this, he definitely means well, he is always kind and good to me. Hopefully I will hear good things from you soon, I greet and kiss you with love, your Mutterle.
Moritz Stein
558 W 189 Str.
N. Y. City

