Buenos Aires 30.Juli.1940
Meine Lieben!
Deinen Brief lb. Leopold habe ich gestern erhalten,
und möchte diesen ohne zeitverlust beantworten, wenn
ich auch noch nichts positiver dazu schreiben kann. Ich
habe mich heute über die Bestimmungen erkundigt &
folgendes erfahren: Für die lb. Mama dürften keine
grösseren Schwierigkeiten bestehen, vorausgesagt dass sie
die nötigen Papiere besitzt, wie, Deutschen Pass, Gesund-
heitszeugnius, und Geburtsschein. Für lb. Fried-
rich und Familie ist es schwerer, wäre aber eine Mög-
lichkeit vorhanden, indem ich für dieser ein Be-
suchsvisum beantrage, das für 6 Monate
Gültigkeit haben würde, aber wenn er einmal
hier wäre, verlängert werden wird. Für mich wäre
dies alles besonders leicht, wenn ich einen Ge-
burtstagsschein für mich hätte, da ich
den Verwandtschaftsgrad nachweisen
muss. In Ermangelung dessen, bin ich auch
noch kein argentinischer Staatsbürger. Alle di-
rekten Versuche diesen zu erhalten sind bis
jetzt gescheitert und das hängt mit meiner
Arbeit zusammen. Wie du weisst, arbeite ich
in einer antihitleristischen Zeitung und alles
S2
die wir hier arbeiten, stehen auf der schwarzer liste
und haben schon allerlei Schwierigkeiten gehabt.
Du wisst davon aus den Zeitungen gelesen haben
die ich dir schickte. Es ist dies auch ein Grund
dass ich nicht direkt an die lb. Mama schreibe,
und bitte dich, vorläufig alle Angelegenheiten
die mit der Einreisebewilligung zusammen –
hängen über dich zu erledigen, bis ich für die
lb. Mama eine andere Adresse angebe. Was ich von
dir sofort wissen möchte, sind die genaue Adresse
von der ganzen Familie in Holland nebst Alter der
einzelnen, Geburtsort und so weiter. Die Reise
könnte nun über Spanien erfolgen und der Si-
cherheit wegen mit spanischen Schiffern. Wenn
ich für lb. Friedrich das Besuchsvisum be-
komme, so müsste er in Holland beim
argentinischen Konsul nachweisen, dass er
nur vorübergehend nach hier kommt, bis er
die Einreiseerlaubnis nach U.S.A. erhält.
Ich meinerseits habe hier alles Nötige ran-
lasst und hoffe dir in 4 -5 Tagen etwas mehr
darüber schreiben zu können. Was die lb. Mama
und Familie alles braucht erfährst du im
übrigen beim argentinischen Konsulat in N.Y.
Side S1
Mache die lb. Mama darauf auf-
merksam dass sie mir nicht schreiben
soll.
Side S2
Mir geht es gut, das nächste Mal ausführlicher
Herzl. Grüsse Euer
Siegbert
Buenos Aires 30. July.1940
My Dears,
Dear Leopold I received your letter yesterday and want to answer it without any loss of time even if I don’t have anything of positive to write about. I inquired today about the requirements and learned the following: for dear Mama there should be no big difficulties, as expected, provided she has the necessary papers, German Passport, certificate of health and birth certificate. For dear Friedrich and family it is more difficult, there is a possibility though that I can get a visitor’s visa for them that would be good for six months, but can be extended once when he is here. For me this would be particularly easy if I had my birth certificate since I could then prove the degree of my kinship. Lacking that I am not yet an Argentinian citizen. All direct attempts to get it have failed so far and that is connected with my job. As you know I work for an anti-Hitler newspaper and all
S2
the work that we do here is on the black list and have already had all sorts of difficulties. You know of this from the newspapers I have sent to you. This is also a reason that I don’t write directly to dear Mama and I ask you in the interim that in any matters connected with the entry permit be handled through you till I can give dear Mama a different address. What I would like to know from you immediately is the addresses of the entire family along with each ones age, place of birth and so forth. The trip can be made from Spain with the security of Spanish ships. If I can get the visitor’s visa for dear Friedrich he has to go the Argentinian Consul in Holland to prove that he is only coming here temporarily until he receives permission to enter the USA. For my part I have arranged all that is necessary and hope in 4 or 5 days to write more about it. The remaining items that dear Mama and family need you can learn from the Argentinian Consulate in N.Y.
Side S1
Make dear Mama aware that she should not write to me.
Side S2
I am doing well, more details next time.
Greetings today your
Siegbert

