Ffm. 28. August. 41.
Meine geliebten Vier!
Ich wollte Euere l. Zeilen abwarten, allein
es dauert mir zu lange, Ihr sollt nicht auf meinen
Brief warten müssen. Hoffentlich seid Ihr recht
gesund, auch von uns kann ich dies sagen.
Was wird Euere Kusine Hilde für einen
Schrecken haben, wenn sie vom Tode ihrer
Mutter hört. Diese war mit unsagbarer Liebe
an ihrer Tochter gehangen, scheinbar aber auch
die Tochter an ihrer Mutter. Doch der Frau ist
wohl, nachdem sie doch nicht mehr hätte geheilt
werden können. Dieser Tag hatte ich einen sehr
schönen Brief von Frau Wolff. Von meinen
Lieselein ist sie ganz begeistert. Es sei ein
liebes Kind meinte sie, aber auch der l. Leo-
old gefiel ihr sehr gut. Wie ich Euch ja
schon öfters schrieb, wohnen Familie Simon
auch in Los Angeles. Der alte Herr hätte ein
sehr schwere Operation gehabt, an deren Folgen
er aber leider verstorben sei. Es tut mir sehr
leid denn er war der bravste von allen.
Nun ist es auch wieder so weit daß ich Euch
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meine geliebten Kinder von ganzem Herzen
gratulieren & alles, alles Gute wünsche. Der Herr
segne Euch & behüte Euch. Von Tante Mali haben wir
ab & zu einem großen Brief, es geht ihr schein-
bar ganz erträglich. Mit deinen Brief mein Liese-
lein freute sie sich sehr. Wenn meine Abreise
zu Stunde gekommen wäre, hätte ich sie vor-
her noch besucht, ebenso auch die Tanten.
Hoffentlich vergesset Ihr nicht, besonders an die letzte
ran zu schreiben, denn ich weiß wie sehr sie darauf
warten. Konntet Ihr in der Kubafrage etwas tun?
Hier wird von vielen Bekannten eifrig gearbeitet.
Vielleicht ginge es für mir als einzelne Person.
Ich will mir mal genaue Berichte einholen & schreibe
Euch diese. Daß Euch die Mitbewohner von Tante Selma wieder
Besuchten ist ja nett von Ihnen. Aber meidet diese
Menschen, ebenso wie Vetter Leo, sonst habt Ihr keine Ruhe
vor ihnen. Dieser Tage waren wiedermal bei Frau Jüngs-
ter. Sie ist auch ein lieber Mensch. Merkwürdig wie diese
vielen Geschwister sich alle im Charakter & Wesen gleichen,
vornehm & taktvoll wie man sie gerne hat. Soeben
erhalte ich von der Deutschen Bank in Berlin# daß Euere
Zuwendung zu meinem Lebensunterhalt bei ihr ein-
gegangen. Tausend Dank meine Lieben, der l. Gott möge
es Euch lohnen. Der Brief soll zur Post, darum kann ich unsern
Lieben nicht erst daran schreiben lassen. Also im nächsten
Brief der bald folgen wird. Habt Ihr von Rosel & Sepp nichts
gehört. Warum schreibt Heidi nie eine Zeile? Onkel
Max verwundert sich sehr darüber auch. Auch von Fritz1 hörten
nie etwas. Für heute Lebet wohl, ich grüße & Küsse Euch
innigst Euere
Mutter.
Gestern erhielt auch Euerem Brief
meine l. Timer s
# die Nachricht
1. Vermutlich Fritz Hausler Mutter würde Bertha,
Schwester von Rosa und Max gewesen sein.
Herzl Grüße
Liesel
Kommt Ihr Rosch hashanah(?)
Ffm. 28.8.41.
My beloved four,
I wanted to await your dear lines, however it is too long for me, you should not have to wait for my letter. Hopefully you are all quite healthy which I can also report is the case for us. What a shock your cousin Hilde will have when she hears of her mother’s death. She hung on her daughter with inexpressible love and apparently also the daughter onto the mother. Still, the woman is better off since she could no longer be cured. Today I had a very nice letter from Mrs. Wolff. She is totally taken with my Lieselein. She found her to be a dear child and she also liked dear Leopold very much. As I have often written to you the family Simon also lives in Los Angeles. The old man had a very serious operation from the consequences of which he died. It makes me very sorry since he was the nicest of all of them. Well, it is again so far that I,
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whole heartedly have to congratulate you again my dear children, and wish you everything good. The Lord bless you and protect you. Once in a while we have a long letter from aunt Mali, apparently things are quite bearable for her. She was very happy with your letter my Lieselein. If the hour for my departure had come, I would have visited her beforehand, also the aunts. Hopefully you will not forget to write, especially to the latter, since I know how much they await it. Were you able to do anything about the Cuba question? Many acquaintances here are working hard on this. Maybe it will work for me as just one person. I want to get precise information about this and will send it to you. That the fellow lodgers of aunt Selma have again visited you is nice of them. But avoid these people. As well as cousin Leo, otherwise you will have no peace from them. Today I was again at Mrs. Jüngster. She is also a dear person. Peculiar how all these siblings resemble each other in character and nature, elegant and tactful as one gladly has them. I just received from the Deutsche Bank in Berlin# that your deposit for my support was received. A thousand thanks, my dear ones, may the dear God reward you. The letter has to go to the post office so I can’t allow our dear ones to write anything. Well, in the next letter, which will follow soon. Have you not heard anything from Rosel and Sepp? Why doesn’t Heidi ever add a line? Uncle Max wonders quite a bit about that. We have heard nothing from Fritz1. For today, farewell, I greet and kiss you tenderly, your Mother.
Yesterday I also received your letter, my dear Timers.
#the information
1. Presumably Fritz Hausler. Mother would have been Bertha, sister of Rosa and Max.
Sincere greetings
Liesel
Are you coming?

