Frankfurt a. M. 8. Oktober 1941.
Meine Lieben!
Heute nehme ich Gelegenheit, Euch einige Zeilen zu schreiben. Hoffe
Euch wohl, wir 3 sind es auch. Eure l. Mutter hat zwar immer einmal
ein bißchen zu grunzen(?), aber dies tat sie ja früher auch schon. Ihr größtes
Leid ist die Sehnsucht nach Euch und ich muß tatsächlich sagen, mit ihrem
Auswanderung hat sie bis heute gar kein Glück gehabt. Darüber Euch zu-
schreiben ist der Hauptzweck meines heutigen Briefes. Eure übergroße Vorsicht
trägt wohl die Hauptschuld daran, daß sie trotz aller günstigen Vorbereitungen
in diesem Jahre die Ausreise nicht antreten konnte. Ihr hattet beim Joint
drüben eingezahlt und der mit diesem in Verbindung stehende Hilfsverein
konnte nur eine ganz beschränkte Anzahl Personen zur Fahrt verhelfen. Einzahlungen
bei Hapag oder Norddeutschen Lloyd hingegen brachten bei vielen die Sache in Zug.
Eure Mutter, die auf die finanz.1 Hilfe des Hilfsvereins angewiesen ist, mußte
zurückbleiben. Zur Zeit fahren wieder viele auf dem Wege über Cuba, (d. h.
es wird gar nicht in Cuba gelandet, sondern gleich in U. S. A., von einem
spanischen Hafen aus) das nötigen Depot wird auch bis auf einen kleineren
betrag, ich höre von orientierten Seite von 200 – 400 Dollar, nach der Einreise in
U. S. A. zurückgezahlt. Das ganze Depot soll 1050 $ ohne Reise be-
tragen. Diese Summa durch ein Bankhaus in New York (Warburg od. Zaro Tours)
vorgestreckt natürlich gegen Zinsvergütung. Daß mußtet Ihr unter allen
Umständen machen können, Ihr seid ja 4 Verdiener und habt den fasten
Wunsch und Willen, Eure Mutter zu Euch zubringen. Unsere Hausfrau hat eine
Familie von 3 Mitgliedern und erhielt vorige Woche von ihrer 2 Brüdern
in U. S. A. den telegr. Bericht „Ausreise über Cuba gesichert.“ Eine anderen
Mitbewohnerin in unserem Hause bekam von ihrem erst im jüngsten Jahre
drüber eingewanderten Tochter den gleichen Bescheid, sogar die Mitteilung
über bereits vollzogene Belegung eines Schiffplatzes. So gibt es hier eine
ganze Anzahl glücklicher Wanderer Kandidaten. Natürlich darf man nicht zu-
lange warten, bis diese Chance wieder geschwunden ist. Also erkundigt Euch
schnell und handelt. Ich schrieb in diesem Sinn an l. Martin, den Ihr unter-
stutzen wollt. Mit recht herzlichen Grüßen
Euer Max
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Ich schreibe das, weil sich Eure Mutter tatsächlich schwer darüber grämt, so wenig Erfolg
zu haben und wiederholt sagten ihre Bekannte: „daß Sie nicht fortkommen ist uns ein Rätsel.“ Bei den Schwierigkeiten der Reise durfte sich freilich ein Zusammenreisen von uns 3 empfehlen.
Oben
Ein Besuch beim Hilfsverein
gestern, gibt meinen obigen Angaben
Bestätigung. Es ging Freimarks ein
Kabel(?) in diesem Sinne zu D. O
1. finanzielle
Frankfurt a. M. October 1941.
My dears,
Today I take the opportunity to write a few lines to you. Hope you are well, as are the
3 of us. To be sure your dear mother always has to complain(?) a bit once in a while, but she also did that in the past. Her greatest misery is her longing for you and in fact I must say that till now she has had no success with her emigration. This is the main reason for my letter today. Your excessive caution is surely the main cause of the fact that despite all the good preparation this year she was not able to leave. You deposited money with Joint over there and they, in conjunction with the Aid Society were only able to help a limited number of people to exit. In contrast, placing the deposit with Hapag or Nord German Lloyd got the process moving. Your mother, who is dependent on the financial help of the Aid Society, had to remain behind. At the moment, many are traveling via Cuba (i.e. not even disembarking there, but direct to the U.S.A., from a Spanish port) the necessary deposit is also smaller, from those who know about this I hear it is between $200 and $400, which is returned after arrival. The entire deposit should be $1050 without the trip. This amount is through a Banking House in New York (Warburg ad. Zaro Tours) naturally advanced against return on interest. You should be able to do this under any circumstances; you are four earners and have a strong wish and the will to bring your mother to you. Our housekeeper has a family of 3 members and last week received from her 2 brothers in the U. S. A. a telegram informing her that her “departure by way of Cuba is assured.” Another woman living in our building received from her daughter, who just emigrated there in the recent year, the same message and also noting that a ship’s berth has already been arranged. There are a lot of happy travelers. Of course, one cannot wait too long until this opportunity has again disappeared. So rapidly make inquires and act. I wrote in this sense to Martin, whom you should assist. With sincerest regards, Your Max
Left Side
I write this because your mother is really very despondent to have so little success, and repeatedly her acquaintances say “that you have not been able to get away is a mystery to us.” With the difficulties of the trip, the three of us traveling together certainly recommends itself.
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A visit to the Aid Society confirms what I noted above. Freimarks a cable in this sense has been sent to D.O.
