Meine Lieben!
Euren Brief von 23.10 bekamen wir
vor 8 Tagen & bis Ihr diesen erhalten wer-
det sind voll auch wieder 4 Wochen vergangen.
Unter den heutigen Verhältnissen eine lange
Zeit in der sich viel verändern kann, was
man an Polen & nun an Finland vor
Augen hat. Bei uns war es vor ca 4 Wochen
ja auch sehr Grenzlich? so daß es viele Familien
verzogen über die Wasserlinie? d.h. nach Am-
sterdam etc. zu flüchten. Auch wir hatten
Vorsorglich das Nötigste gepackt, aber inzwischen
hat sich ja alles wieder mehr beruhigt. Trotz-
dem haben wir zwei größere Kisten mit Wäsche
& Silbergegenstände bei Vertrauenswürdigen
christlichen Leute untergebracht die wir
vorl. dort stehen lassen. Die Leute heißen
L. Janssen & wohnen hier in der Bergstraat.
Unser ges.(amtes) ubriges Eigentum möchte ich gerne
einem Amerik. Staatsangehörigen verschreiben &
das ist’s was ich dir lb. Leopold heute ü-
berliefern? wollte. bzw. Deinen Rat darüber
hören wollte. Ich denke es mir so daß
ich für ein Darlehen ca. hfl. 4000 das ich nach meiner
Übersiedlung nach hier also im Jahre
2
1937 April von einem Am. erhalten habe um
mir eine Existenz zu gründen, mein ges. Inventar
einschließlich Maschinen dafür verpfände bzw.
überschreibe. Ich denke daß vielleicht Justin
oder Arthur sich dafür hergeben werden zumal
das ganze ja nur zum Schein ist & erst dann in
Wirksamkeit tritt, wenn Holland in den Krieg
verwickelt wird & da Amerika ja wohl neutral
bleibt, werden seine Interessen auch immer ge-
wahrt bleiben, auch wenn der Krieg mal aus
ist. Ich brauche nur das Einverständnis
von einem Am. daß er im Ernstfalle von seiner
Forderung die er an mich hat gebrauch macht &
diese durchfechtet wann es mal so weit ist.
Zu diesem Zweck werde ich den Übereignungs-
vertrag notariell beglaubigen lassen & alle gegen-
stände aufführen. Momentan ist ja
an der Westfront ziemlich Ruhe aber ich denke
daß im Frühjahr der Krieg in eine neue Phase
treten wird, wann nicht inzwischen in D. eine
Wandlung kommt, was nach dem immer bedroh-
licheren Vordringen der Russen auch nicht
ausgeschlossen erscheint. Von London hörten
diese Woche, daß Justin & Hertha am12. ds.(?) an
das Konsulat bestellt sind. Sonst wüßten
wir für heute nichts von Belang & daher ver-
bleibe ich mit vielen herzl. Grüßen & einst-
weilen bestens dankend. Euer Friedrich
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Meine Lieben! Ich höre immer gerne von Euch,
daß es Euch gut geht und bin mit vielen Grüße
Eure Gertrud
Links Seite 2
Von m. Bruder hörten wir schon über 4 Wochen nichts. Vorher schrieb er gut.
(Gertrud)
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Meine Lieben! Da ja Euch heute lb. Friedrich das meiste geschrieben
hat, fuge ich nur heute herzl Grüße bei, wir sind G.L. gesund, u.
warten jeden Tag auf den ?. Euer Brief dauern immer 4 Wochen.
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Das Paket an Euren lb. Mutter ist gut angekommen u. hat sich dieselb
sehr damit gefreut. Nächstes schreibe ich wieder mehr. (Hermine)
Links Seite 1
Evtl. benötige Justin oder Arthurs genaue Adresse
d.h. die Adresse vom Jahre 1937. (Friedrich)
My dears,
We received your letter from 23.10 8 days ago and till you receive this letter 4 weeks will have passed. With today’s conditions it is a long period of time during which things can change a great deal, as is occurring in Poland and also Finland right before our eyes. About 4 weeks ago it was very borderline by us so that many families moved over the waterline,? i.e. they fled toward Amsterdam, etc. We also packed necessary items beforehand, but in the interim things have quieted down. Nonetheless we packed two large boxes with clothing and silver items that we have placed with trustworthy Christian people that we are provisionally leaving there. The people are named L. Jansssen and live here on Bergstraat. Our total remaining things I would like to consign to an American citizen and that is what I wanted to more specifically get your advice about, dear Leopold. I am thinking that for a loan of about 4000 hfl. that I received after my immigration here in April 1937 from an Am. to establish myself here, my total inventory, including machinery, to sign over as a collateral. I was thinking that maybe Justin or Arthur will volunteer especially since this is only for appearances and only takes effect if Holland becomes involved in the war and since America will probably remain neutral his interest will always remain protected, also when the war is over.
I only need the consent of an American that in an emergency he will use the claim he has on me and that he will follow through when the time is right. For this reason I will have the transfer agreement attested to by a notary and have all items listed. At the moment on the Western Front things seem relatively quiet, but I think that in the Spring the war will enter a new phase, if in the meantime there is not a change in Germany, which with the continuous threatening advances of the Russians also cannot be excluded. From London we heard this week that Justin and Hertha have an appointment at the Consulate on the 12th. Otherwise for today we know nothing further of significance and thus I remain with affectionate regards and for now best thanks.
Your Friedrich
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My dears, I am always happy to hear from you and that things are going well. Greetings Your Gertrud
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From my brother we haven’t heard anything in over 4 weeks. Previously he wrote regularly.
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My dears, in that dear Friedrich has already written what is happening I will only add affectionate greetings. We are, praise God, healthy and wait every day for the ?. Your letters always take 4 weeks.
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The package to your dear mother came in good condition and she was very happy with it. Next time I will write more.
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Eventually I will need Justin or Arthur’s exact address, i.e. from the year 1937.