Jaffa, den 8.9.37
Geliebte Alle!
Nachdem du eben so viel Post erhältst, muß ich dir
doch auch einige Zeilen beifügen. Außerdem kamen
noch Zeitschriften von Tante Fanny, die dir Herr
Meinstein bei nächste Gelegenheit mitbringen wird.
Wie du aus dem Briefe meiner l. Mutter ersehen wirst,
hat sich unser Konto wieder erholt. Man
braucht nur mal ein paar Tage nichts zu arbeiten,
dann geht es schon. Heute arbeite ich wieder
für Baum. 2 Friseurstühle. Zahlte auch gleich 25 P.
Er sagte, er will großzugig vergessen, scheinbar
weil er sich eine Gnade erweisen wollte, könnte
ich wieder bei ihm arbeiten. Ich war gerade nicht
in der Stimmung, viel darauf zu erwidern. Außer-
dem soll ich auch für Laxer wieder einen Tank
schweißen. Die Waschmaschine von Frau Nebel
kann ich dann auch selbst machen. Kaufe mir jeden-
falls morgen eine eigene Flasche Sauerstoff.
Zum Rosch – Haschoneh erhaltet du eine Berches – Aleke.
Wollte sie heute eben kaufen. Die Zeit reichte aber
nicht mehr. Morgen dafür in aller Frühe. War heute
eben halb betrunken. War mit Grünewald und Zucker-
mann, letzterer hat eingeladen, zum Biertrinken in
einen Lokal, wo es noch besser sein soll wie
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beim l. Gott so behaupteten Grünewald und Zucker-
mann und die müssen es doch wissen. Heute abend,
anschließend am Abendessen bei Hellmanns war bei
Gillenbergers zum Gratulieren. Sie waren grade beim
Abendessen, es stand Hering auf dem Tisch, da ließ
ich mich nicht lange drängen, nochmals mitzu-
halten, besonders auf die Nudeln mit Kompott
bei Hellmanns hin. Bis jetzt bin ich also immer
noch nicht verhungert. Bei Zauders schaute ich
auf dem Heimweg auch vorbei, war aber niemand
zu Hause. Die Fortsetzung von dem Rhemnia –
Artikel erhalte ich vielleicht, habe heute Herrn
Crinshein damit beauftragt. Bist du rechtzeitig
mit deiner Arbeit heute fertig geworden, war Frau
Meinstein zufrieden, als sie zurückkamen? Nun
grüße noch die Familien Meinstein, Reiß und
Nebel von mir und sei auch du vielmals gegrüßt
und innigst geküßt.
von deinem Poldi
Jetzt ist es gleich ½ 12. Schrieb vorher noch
an meine Mutter. Der Rest der Post – Bahn usw.
wird morgen erledigt.
Jaffa, 8.9.37
Dear All,
Even so you have received so much mail, I have to add a few lines. Additionally there are magazines from aunt Fanny that Mr. Meinstein will bring along at the next opportunity. As you will see from the letter from my dear Mother, our account has recovered. One only has to not work for a few days, then it goes. Today I am working again for Baum. 2 barber-chairs. Paid me immediately 25 P. He said he wants to be generous and forget, apparently he wanted to bestow his forgiveness, and I can work for him again. I was just not in the mood to give much of a response. Besides I am supposed to weld a tank for Laxer. The washing machine for Mrs. Nebel I can then also do myself. In any case tomorrow I will buy my own bottle of oxygen. For Rosh Hashanah you will receive a challah. Wanted to buy it today but there wasn’t enough time, so I will do it early tomorrow morning. This morning I was half drunk. I was with Grünewald and Zuckermann, the latter invited us to drink beer in a pub where it is supposed to be better
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than by dear God claimed Grünewald and Zuckermann and they must know. Today subsequent to dinner at the Hellmanns I was at the Gillenbergers to congratulate them. They were just at dinner, a herring was on the table; it did not take much convincing to get me to join them, especially after the noodles with compote at the Hellmanns. So far I have never gone hungry. I looked in on Zauders on my way home, but there was no one at home. I may get the continuation of the Rhenia article, I delegated Herr Crinshein today with getting it. Did you finish your work on time today; was Mrs. Meinstein satisfied when they got back? Give my greetings to the families Meinstein, Reiß and Nebel and greetings to you and many intimate kisses.
from your Poldi
It is almost 12:30. Wrote earlier to my Mother. The rest of the mail, train, etc. I will take care of tomorrow.

